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Markt für Prozessautomatisierungssysteme im Vereinigten Königreich: Die unsichtbare Säule der industriellen Modernisierung und strategische Abhängigkeit

Der Markt für Prozessautomatisierungssysteme in Großbritannien steht vor einem Strukturwandel: Importabhängigkeit, Netto-Null-Antrieb und Fachkräftemangel prägen gemeinsam die Wettbewerbslandschaft. Der Artikel analysiert eingehend die Wege zur industriellen Modernisierung und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit.

Einleitung: Das unterschätzte industrielle Rückgrat

Prozessautomatisierungssysteme (PAS) sind das „Nervenzentrum“ der verarbeitenden Schlüsselindustrien wie Chemie, Pharma, Lebensmittel und Getränke. Als zehntgrößte Industrienation der Welt spiegelt die Gesundheit des britischen PAS-Marktes direkt den Modernisierungsgrad und die Widerstandsfähigkeit des verarbeitenden Gewerbes wider. Dieser Markt blieb jedoch lange Zeit der öffentlichen Wahrnehmung verborgen, bis die Lieferkettenkrise und die Netto-Null-Agenda ihn auf die strategische Bühne drängten.

Strukturelles Wachstum: Ersatzzyklen und Digitalisierungswelle

Laut dem neuesten Bericht von IndexBox wird der britische PAS-Markt zwischen 2026 und 2035 voraussichtlich mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 3,0–4,5 % expandieren. Das Wachstum beruht nicht auf neuen Kapazitäten, sondern wird von drei Säulen getragen:

1. Ersatzzyklus: Viele zwischen 2010 und 2015 installierte Systeme erreichen Anfang der 2030er Jahre ihren Ersatzhöhepunkt und bilden eine stabile Nachfrageuntergrenze. 2. Digitalisierung: Die Migration von pneumatischer/manueller Steuerung zu digitalen Plattformen, insbesondere in mittelgroßen Fabriken. Integrierte Steuerungssysteme (DCS, SCADA, Sicherheitssysteme) machen 45–55 % des Hardwarebedarfs aus, während spezialisierte Dienstleistungen und Softwarelizenzen schneller wachsen. 3. Netto-Null-Investitionen: Die Projekte zur CO2-Abscheidung und für kohlenstoffarmen Wasserstoff in den britischen Netto-Null-Industrieclustern (Humber, Teesside, Grangemouth) werden die Nachfrage in bisher strukturell rückläufigen Teilsektoren wie Chemie und Raffinerie neu beleben.

Bemerkenswert ist, dass Dienstleistungsverträge (leistungs- oder verfügbarkeitsbasiert) bereits 25–30 % der gesamten Marktausgaben ausmachen, was einen Wandel der Beschaffungsmuster der Endnutzer von „Geräte kaufen“ hin zu „Zuverlässigkeit kaufen“ widerspiegelt.

Importabhängigkeit: Verwundbare Knotenpunkte der Lieferkette

Das größte Merkmal des britischen PAS-Marktes ist seine tiefe Abhängigkeit von externen Lieferungen.

  • Hardware-Importquote 65–75 %: Speicherprogrammierbare Steuerungen und DCS-Module aus der EU (Deutschland, Niederlande), große Systeme aus den USA sowie Präzisionsinstrumente aus Japan und Singapur bilden die Hauptimportquellen.
  • Wechselkursempfindlichkeit: Da ein Großteil der Hardware auf Euro basiert, wirken sich Wechselkursschwankungen zwischen Pfund und Euro direkt auf die Projektkosten aus.
  • Reibungsverluste nach dem Brexit: Obwohl das Handelsabkommen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU zollfrei ist, erhöhen die doppelten Zertifizierungsanforderungen (UKCA und CE) die Projektkosten um 5–8 %, und die Zollabfertigungskosten bleiben bestehen.

Diese Abhängigkeit ist nicht unumkehrbar, aber kurzfristig schwer zu ändern. In Großbritannien gibt es nur hochwertige Systemintegration und Panelmontage, aber keine groß angelegte Hardwarefertigung. Der Wettbewerbsvorteil liegt in der Softwareentwicklung und Fernüberwachungsdiensten, was jedoch nicht ausreicht, um das Risiko globaler Logistikunterbrechungen abzufedern – die Lieferzeiten für einige Logik-Controller hatten sich 2022–2023 auf 30–50 Wochen verlängert.

Wettbewerbslandschaft: Lock-in-Effekte der Giganten und IntegratorennetzwerkeSiemens, ABB, Emerson, Rockwell und Yokogawa dominieren den Markt, wobei der Wettbewerb im Kern um die Bindung an die installierte Basis kreist. Sobald ein Kunde die DCS-Plattform eines Anbieters übernommen hat, neigen spätere Migrationen in der Regel zur gleichen Marke, um hohe Verkabelungs- und Validierungskosten zu vermeiden. Diese Pfadabhängigkeit führt zu extrem hohen Eintrittsbarrieren für Neueinsteiger.

Britische Systemintegratoren (wie Bauer Controls) spielen eine Schlüsselrolle: Sie konfigurieren globalisierte Hardware zu lokalen Lösungen und übernehmen Werkabnahmen und Inbetriebnahmen vor Ort. Der Wertschöpfungsspielraum dieser Dienstleistungen beträgt etwa 20–30 %, während die Bruttomargen für After-Sales-Support und Lifecycle-Services bei 40–50 % liegen.

Fachkräfteengpass und Qualifikationskrise

Der Bericht stellt klar fest: „Der langfristige Mangel an Automatisierungsingenieuren und Systemintegratoren in Großbritannien schränkt die Fähigkeit zur Durchführung komplexer Projekte ein.“ Dieser Engpass treibt nicht nur die Arbeitskosten in die Höhe, sondern gefährdet auch die Position Großbritanniens als Drehscheibe für Automatisierungsdienstleistungen in Europa. Der Abgang von EU-Fachkräften nach dem Brexit hat diesen Trend noch verstärkt.

Politik und Regionalentwicklung: Chancen für Netto-Null-Cluster

Die im Jahr 2025 aktualisierte Industriestrategie der britischen Regierung betrachtet die Automatisierung als einen entscheidenden Hebel zur Steigerung der Produktivität im verarbeitenden Gewerbe. Konkrete Maßnahmen umfassen:

  • Netto-Null-Industriecluster: In Regionen wie Humber und Teesside werden derzeit Infrastrukturen für Kohlenstoffabscheidung und Wasserstoff aufgebaut, was neue Projektwellen für Anlagensteuerungssysteme, Sicherheitsinstrumentierungssysteme und Fernüberwachungsplattformen schafft.
  • Kompetenzinvestitionen: Das Vereinigte Königreich versucht, durch die Initiative „Made Smarter“ und eine Reform der Ausbildungsabgabe den Pool an Automatisierungsingenieuren zu erweitern, die Wirkung wird jedoch noch Zeit brauchen, um sichtbar zu werden.

Aus regionaler Entwicklungsperspektive könnten Grangemouth in Schottland und die Chemiecluster in Nordengland als erste von der Automatisierungsmodernisierung profitieren und so eine Wiederbelebung der Wettbewerbsfähigkeit der lokalen Fertigungsindustrie vorantreiben.

Langfristige Perspektive: Vom Preiswettbewerb zum Wettbewerb um den Wert

In den nächsten zehn Jahren wird sich der Wettbewerb auf dem britischen PAS-Markt nicht mehr nur auf die Hardwarepreise beschränken.

  • Cybersicherheitskonformität: Mit der OT/IT-Konvergenz wird die Erlangung der IEC-62443-Zertifizierung zur Angebotsvoraussetzung, was die Systemkosten erhöht, aber auch die Branchenbarrieren steigert.
  • Vorausschauende Wartung: Plattformen mit integrierten erweiterten Analyse- und Fernzugriffsfunktionen werden Aufschläge erzielen.
  • Modulare Lieferung: In der Lebensmittel-, Milchprodukte- und Brauindustrie steigt die Nachfrage nach skidmontierten Automatisierungspaketen, da sie die Installationszeit vor Ort verkürzen.

Auf makroökonomischer Ebene muss Großbritannien die Importabhängigkeit mit der Lieferkettensicherheit in Einklang bringen. Einerseits sollten multinationale Lieferanten ermutigt werden, lokale Lagerbestandspuffer aufzubauen; andererseits sollten inländische Unternehmen bei der Entwicklung differenzierter Software und Integrationsdienstleistungen unterstützt werden, um ihre hochwertige Position in der globalen Automatisierungswertschöpfungskette zu halten.

FazitDer Markt für Prozessautomatisierungssysteme im Vereinigten Königreich ist nicht der Protagonist der Geschichte, aber eine unsichtbare Säule des industriellen Fortschritts. Er zeigt, wie eine reife Fertigungswirtschaft inmitten technologischer Weiterentwicklungen, der Netto-Null-Transformation und globaler Handelskonflikte nach einer neuen Balance sucht. Für politische Entscheidungsträger wird es entscheidend sein, die strategische Bedeutung dieses Marktes zu erkennen – und in Kompetenzen, Infrastruktur sowie Lieferkettenresilienz zu investieren –, um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des britischen Fertigungssektors zu sichern.

Nutzungshinweis · ukindustrywire

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Source links

  1. https://www.indexbox.io/store/united-kingdom-process-automation-system-market-analysis-forecast-size-trends-and-insights/Primary

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