Innovation in Grossbritannien
Globale Robotik-Investitionswelle: Wie die britische Industrie die Chancen der „Physical AI“ nutzen kann?
Einem aktuellen Bericht von Business Insider zufolge wurden 22 wichtige Investoren identifiziert, wobei die Investitionen in Robotik von 4 Milliarden USD im Jahr 2019 auf 26 Milliarden USD im Jahr 2025 gestiegen sind. Dieser Artikel analysiert die Auswirkungen dieses Trends auf die Modernisierung des britischen verarbeitenden Gewerbes, die Resilienz der Lieferketten und die Industriestrategie.
Globales Kapital strömt in die physische Welt
In den letzten zehn Jahren verschlang die Software die Welt, Risikokapital jagte digitalen Unternehmen mit geringem Kapitaleinsatz und hohem Wachstum hinterher, Hardware galt als Bereich mit hohem Aufwand und geringer Rendite. Doch dieses Gefüge wandelt sich grundlegend. Laut PitchBook-Daten stiegen die Risikokapitalinvestitionen in die globale Robotik und physische KI von rund 4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 auf 260 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025; im bisherigen Jahr 2026 haben sie bereits 23 Milliarden US-Dollar überschritten. Der jüngst von Business Insider veröffentlichte Bericht „22 Investoren, die man im Bereich Robotik und physische KI beachten muss“ enthüllt die entscheidenden Triebkräfte hinter dieser Kapitalwelle.
„Jetzt kommen die coolen Kids.“ Mit diesen Worten von Matt Ocko, Mitbegründer von DCVC, wird der Wandel im Silicon Valley treffend zusammengefasst. Da die Vorteile von Softwareinnovationen nachlassen, bewegt sich KI vom Bildschirm in die reale Welt – Lagerhäuser, Krankenhäuser, Baustellen, Schlachtfelder – und Roboter werden zum zentralen Träger der nächsten Technologierevolution. Investoren meiden Hardware nicht mehr, sondern drängen darauf, in „physische KI“ zu investieren, also in intelligente Systeme, die mit ihrer Umgebung interagieren können.
Investitionslandschaft: Von humanoiden Robotern zu Basismodellen
Die 22 Investoren im Bericht repräsentieren vielfältige Anlagestrategien, aber es zeichnen sich mehrere klare Trends ab:
Erstens: Die Debatte um humanoide Roboter wird hitziger. Ajay Agarwal von Bain Capital Ventures, ein Vertreter der „Anti-Humanoiden“-Fraktion, argumentiert, dass Räder und Flügel effizienter seien als Beine; er investiert in Industriedrohnen und Fabrikroboter und schrieb im Wall Street Journal, humanoide Roboter seien ein „Gimmick“. Befürworter setzen dagegen auf das „Gehirn“ universeller Roboter, wie Skild AI und Dyna Robotics, die versuchen, KI-Modelle zu entwickeln, die plattformübergreifend für Roboter funktionieren.
Zweitens: Verteidigungsroboter werden zum neuen heißen Thema. Jeremy Levine und Talia Goldberg von Bessemer Venture Partners prognostizieren, dass Verteidigungsroboter den ersten Börsengang eines Robotikunternehmens mit einem Wert von über 50 Milliarden US-Dollar hervorbringen werden. Ihr Portfolio umfasst das autonome Fahrsystem Waymo, das Verteidigungsrobotik-Startup Breaker und den vierbeinigen Inspektionsroboter ANYbotics. Levine prophezeit: „In den nächsten 10-20 Jahren wird sich die Anzahl der Roboter auf der Erde um das 100.000-fache erhöhen.“
Drittens: Basismodelle gelten als der „GPT-Moment“ für Roboter. Brian Zhan von Striker Venture Partners weist darauf hin, dass es ineffizient sei, wenn frühe Robotikunternehmen ihre Modelle jeweils von Grund auf selbst trainieren; Startups wie Dyna Robotics und Physical Intelligence bauen universelle KI-„Gehirne“, die es Robotern ermöglichen, Anweisungen zu verstehen, ihre Umgebung wahrzunehmen und eigenständig Entscheidungen zu treffen. Dies deckt sich weitgehend mit dem Konzept der „physischen KI“, das Nvidia-CEO Jensen Huang vorgeschlagen hat.Viertens: Die traditionelle industrielle Automatisierung bleibt das Fundament. Von Kiva Systems (von Amazon übernommen) über Vention bis Simbe Robotics – Investoren verfolgen weiterhin die Automatisierung in vertikalen Szenarien wie Lagerhaltung, Einzelhandel und Bauwesen. Aidan Madigan-Curtis von Eclipse betont: „Die Herausforderungen der Hardware sind im Wesentlichen gelöst; die eigentliche Grenze liegt in der intelligenten Schicht und der verkörperten KI.“
Lehren für die britische Industrie
Dieser Investitionsboom beschränkt sich nicht nur auf das Silicon Valley. Für Großbritannien, das die Modernisierung seiner „Industriestrategie“ vorantreibt, die Rückverlagerung der Fertigung und die Resilienz der Lieferketten anstrebt, bedeutet die globale Wettbewerbslandschaft der Robotik sowohl Chancen als auch Herausforderungen.
1. Die Lücke bei den Basismodellen schließen
Derzeit konzentrieren sich die führenden Unternehmen für Robotik-Basismodelle in den USA. Großbritannien verfügt über weltweit führende KI-Forschung (z. B. DeepMind, Imperial College, Universität Edinburgh), doch bei der Umsetzung von Algorithmen in einsatzbereite Roboter-„Gehirne“ muss der Kommerzialisierungsprozess noch beschleunigt werden. Die britische Industriestrategie sollte die Entwicklung von Basismodellen für „Physikalische KI“ priorisieren und einen gemeinsamen Fonds von Regierung und Unternehmen einrichten, um globale Talente und Kapital anzuziehen.
2. Stärkung der Verteidigungs- und kritischen Infrastrukturautomatisierung
Verteidigungsrobotik hat sich als einer der am schnellsten wachsenden Bereiche erwiesen. Das britische Verteidigungsministerium hat in den letzten Jahren die Investitionen in autonome Systeme erhöht, doch die Beteiligung von Start-ups in der Wertschöpfungskette ist noch begrenzt. Durch die Einrichtung eines Verteidigungsinnovationsbeschleunigers, der sich an der Logik von Investoren wie Bessemer orientiert, kann Großbritannien einheimische Unternehmen wie „Breaker“ oder „ANYbotics“ fördern und gleichzeitig die Automatisierung der militärischen Logistik und der kritischen Infrastruktur verbessern.
3. Modernisierung der Fertigungsautomatisierung vorantreiben
Die britische Fertigungsindustrie leidet seit langem unter geringer Arbeitsproduktivität und einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Der Erfolg von Unternehmen wie Kiva und Vention zeigt, dass modulare, schnell einsetzbare Automatisierungslösungen die Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Fertigungsunternehmen erheblich steigern können. Der britische „Manufacturing Plan“ sollte intelligente Lagerhaltung und flexible Montageroboter in spezielle Subventionen einbeziehen und die Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Start-ups bei der Entwicklung branchenspezifischer Lösungen fördern.
4. Internationales Risikokapital anziehen
Investoren wie Matt Ocko von DCVC und Bilal Zuberi von Red Glass Ventures haben deutlich gemacht, dass Hardware nicht mehr abschreckend ist. Großbritannien sollte mit steuerlichen Anreizen nach der Brexit-Ära (wie dem Patentbox-System, Steuererleichterungen für F&E) und Cluster-Vorteilen (wie dem Oxford-Cambridge-Bogen, dem schottischen Robotik-Cluster) diese Top-Risikokapitalgeber dazu bewegen, europäische Niederlassungen zu eröffnen. Zuberi warnt, dass der Robotikbereich „überhitzt und überfüllt“ sei; Großbritannien muss differenzierte Anwendungsszenarien bieten – wie die Wartung von Offshore-Windparks, Inspektionen von Nuklearanlagen und landwirtschaftliche Automatisierung – um kluges Kapital anzuziehen.
5. Ethische und Sicherheitsstandards für Robotik etablierenMit der zunehmenden Durchdringung des Alltags durch Roboter werden ethische Fragen immer drängender. Unter den von Business Insider gemeldeten Investoren investierte Joanna Lichter von Emerson Collective in Field AI, das in gefährlichen Umgebungen eingesetzt wird. Das Vereinigte Königreich als weltweiter Vorreiter bei Initiativen zur KI-Sicherheit sollte als erstes einen ethischen Rahmen für den Robotereinsatz entwickeln, um sowohl die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern als auch das Vertrauen der Öffentlichkeit zu gewinnen.
Fazit: Großbritannien braucht eine „Physical-AI“-Strategie
Die „physische Wende“ im Silicon Valley ist keine vorübergehende Modeerscheinung, sondern eine strukturelle Veränderung, die durch die technologische Reife und die Marktnachfrage getrieben wird. Wenn sich Großbritannien mit seiner bestehenden Fertigungsbasis zufriedengibt, droht es, diese Welle des industriellen Wandels zu verpassen. Wie Bessemers Levine sagte: „Das zukünftige Ausmaß der Robotik übersteigt die Vorstellungskraft der meisten Menschen.“ Die britische Industriestrategie muss von einem „Software-First“-Ansatz zu einer „Hardware-Software-Integration“ übergehen und gleichzeitig auf den drei Ebenen Basismodelle, Verteidigungsrobotik und automatisierte Infrastruktur vorankommen sowie aktiv an globale Kapitalnetzwerke anknüpfen. Nur so kann man sich in diesem Wettlauf um „Physical AI“ eine vorteilhafte Position sichern, anstatt nur ein Zuschauer zu sein.
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